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Drucken mit Legosteinen, Gullis und Pflanzen

Legoprint

Sie glauben, eine Druckgrafik ist ein Blatt Papier, das durch eine Druckpresse läuft und dann gerahmt an der Wand hängt? Ja. Und nein. Denn der Begriff umfasst auch wildere Techniken.

Corona hat wenig Gutes gebracht – aber in einer Hinsicht doch: In vielen von uns haben die Lockdowns ungeahnte Kreativität freigesetzt. Vielleicht verdankt es sich der Pandemie, dass das Internet derzeit überquillt mit DIY-Anleitungen zum Basteln, Werken … und eben auch zum Drucken.

Denn zum Glück braucht man zum Drucken – einer der ältesten Kulturtechniken des Menschen – wenig Material: eine Farbrolle und Farbe, Stoff oder Papier genügen für einfache Experimente. Wir zeigen Ihnen drei Techniken, die uns besonders gefallen.

Verspielt: Drucken mit Legosteinen

Klingt erst mal seltsam, doch die Ergebnisse verblüffen: Mit geringem Aufwand erhält man grafisch klare Drucke, die in ihrer Formensprache an die frühmodernen Bauhaus-Experimente der 1920er-Jahre erinnern. Um das Ganze einmal auszuprobieren, brauchen Sie eigentlich nur eine Lego-Bauplatte, eine Reihe gleich hoher, an der Oberfläche glatter Legosteine sowie eine Farbrolle oder einen Pinsel (wenn man einzelne Steine in verschiedenen Farben anstreichen will). Außerdem: möglichst dickes, weiches Papier (Bütten!). Wer Gefallen an dieser Technik findet, kann sich die Anschaffung einer kleinen Handkurbel-Presse, wie man sie in diesem Artikel zum Lego-Druck sieht, überlegen.

Wildwuchs: Drucken mit Pflanzen

Wir alle kennen die opulenten und biologisch detaillierten Pflanzendrucke, die die Naturforscherin und Künstlerin Maria Sibylla Merian (1647–1717) im frühen 18. Jahrhundert angefertigt hat. Pflanzen und Druck haben eine lange gemeinsame Geschichte – doch wir wollen uns hier auf den Direktdruck mit Pflanzen konzentrieren. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die eine ist, eine Cyanotypie anzufertigen, bei der zunächst das Trägermaterial (also z.B. Papier) lichtsensibel gemacht wird. Wie man Pflanzen in einer Cyanotypie verewigt, hat uns Barbara Herbst in ihrem Atelier gezeigt. Man kann Blüten, Stängel oder Blätter aber auch ganz direkt als „Druckstock“ verwenden, indem man sie mit Farbe einstreicht und auf Papier oder Stoff legt. So lassen sich sehr schöne Ergebnisse erzielen.
Drucken mit Pflanzen - Cyanotypie von Barbara Herbst
Drucken mit Pflanzen - Cyanotypie von Barbara Herbst

So geht’s:

  1. Blätter oder Pflanzenteile sammeln.
  2. Sind die Pflanzen von sich aus flach (wie etwa einzelne Blätter), können Sie direkt zum Druck verwendet werden. Sonst müssen sie gepresst werden. Dazu rund zwei Tage flach in ein dickes Buch legen und beschweren.
  3. Die nun flachen Pflanzen mit einem Schwamm mit Farbe betupfen.
  4. Zu bedruckenden Stoff oder Papier flach auslegen.
  5. Die Pflanzenteile mit der Farbseite nach unten darüberlegen.
  6. Dann wiederum Zeitungspapier darüber absenken und mit einer Rolle ausstreichen, damit sich die Farbe gut verteilt.
  7. Dann vorsichtig Papier und anschließend Pflanzenteile abheben.
  8. Drucke zum Trocknen aufhängen.

Tipp: Wollen Sie Stoff bedrucken, brauchen Sie spezielle Textilfarbe!

Material:
  • Blätter / Pflanzenteile
  • Farbe
  • Schwamm zum Auftupfen der Farbe
  • Schaumstoff- oder Fellrolle
  • Zeitungspapier
Foto: Gullideckel_Print
Wenn man mit einem Gullideckel druckt

Streetwise: Drucken mit Gullideckeln

Rund 50.000 Kanaldeckel gibt es in Wien. Nicht gerechnet die Luftschutz-Abdeckungen, die sich vor einigen älteren Gebäuden befinden. Natürlich ist nicht jeder Deckel für unsere Zwecke geeignet – denn wer möchte schon mit Farbrolle und Papier im Straßenverkehr kauern? Was Sie brauchen, ist ein ruhig gelegener, möglichst flacher Gulli oder eine gemusterte Kanalabdeckung. Am besten starten Sie mit einem der kleineren Modelle.

Tipp: Wenn Sie nur einen Ausschnitt des Kanaldeckels drucken wollen, decken Sie den Rest mit Papier ab. So erhalten Sie klare Kanten.

Ist das nicht verboten? – Nein. Wenn Sie Textilfarbe auf Wasserbasis oder andere wasserlösliche Farben verwenden, geht die Bemalung mit dem nächsten Regen wieder ab. Oder Sie sind besonders sorgfältig und wischen den Kanaldeckel nach dem Drucken selber mit Wasser und Küchenrolle wieder ab.

Fun Fact: Die Berliner Künstlerin Raubdruckerin verwendet sogar Straßenbahnschienen und -weichen als Druckvorlage!

Los geht’s!

  1. Falls nötig: Gullideckel reinigen.
  2. Farbe gut aufrühren, mit Löffel in die Farbwanne geben, Walze darin auf- und abrollen, bis sie genug Farbe aufgenommen hat.
  3. Gullideckel gleichmäßig mit Farbe einstreichen.
  4. Papier oder Stoff möglichst glatt auflegen (wenn es ein Shirt ist, unbedingt Pappkarton zwischen Vorder- und Rückseite legen, damit die Farbe nicht durchdrückt).
  5. Jetzt mit einer zweiten, trockenen Walze über das ausgelegte Objekt streichen, damit es gleichmäßig Farbe aufnimmt. Achtung: Es darf dabei keinesfalls verrutschen.
  6. Sanft ablösen – fertig! Jetzt sollten Sie noch kurz warten, bis die Farbe getrocknet ist. Bei Stoff je nach Anleitung der Farbe später noch einmal drüberbügeln, damit die Farbe bei der nächsten Wäsche stabil bleibt.
  7. Die gebrauchte feuchte Farbrolle geben Sie in den mitgebrachten Plastikbeutel.

Material:

  • Farbe – für Papierdruck Linoldruck-Farbe, für T-Shirt-Druck Textilfarbe z. B. vom Siebdruckversand
  • Papier oder ein Stück Stoff (z. B. ein Shirt) aus Baumwolle
  • Mindestens 2 Fellwalzen + eine Farbwanne
  • 1 Sprühflasche mit Wasser
  • 1 Pinsel
  • Löffel oder Farbspachtel
  • Küchenrolle
  • Plastikbeutel

Was ist ein Druck in der Kunst?

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