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Im Porträt: Desislava Unger

ARTcube21 Desislava Unger
Desislava Unger

DESISLAVA UNGER, * 1980 in Sofia/Bulgarien, studierte Malerei an der Nationalen Kunstakademie Sofia sowie Grafik und Druckdesign an der Universität für angewandte Kunst Wien (Diplome mit Auszeichnung). Neben Zeichnungen gehören Holzschnitte zu ihren bevorzugten Techniken. Ihre Arbeiten wurden u. a. von der Albertina, dem Belvedere 21, der Universität für angewandte Kunst Wien und dem STRABAG Kunstforum angekauft.

In Desislava Ungers Wohnküche in Wien-Meidling ist es angenehm gemütlich. Aquarium, Brettspiele, Sportsachen der Söhne. Ein paar Schritte weiter im Nebenraum geht es in ein komplett anderes Universum. Hier befindet sich das Atelier der Künstlerin. Alles ist fokussiert und auf das Wesentliche reduziert. Die Werkzeuge an der Wand, Stifte und zahlreiche Pigmente sind mit Liebe sortiert, ein Windlicht am Arbeitstisch flackert.

Während des ersten Lockdowns 2020 entstand hier eine Serie von Zeichnungen, die Desislava Unger „Pole position silence“ betitelte. „Wien war auf einmal leer. Ich bin in diesem ruhigen Raum gesessen und nichts war zu hören – nur die Polizeisirenen von der Schönbrunner Straße.“ Die Isolation hatte für sie noch eine andere Dimension. „Ich komme ja aus Bulgarien und wusste nicht: Wird man wieder frei reisen können? Kann ich je wieder zurück nach Hause?“

Studienabschluss: „Ein Diplom, zwei Kinder“

Mit 24 kam Desislava Unger als Absolventin der Nationalen Kunstakademie Sofia und „ohne ein Wort Deutsch“ zu sprechen mit ihrer Mappe nach Wien, um sich an der Angewandten/Klasse für Grafik und Druckgrafik zu bewerben. Sie war eine von sieben Studierenden, die aufgenommen wurden. „Ich war überglücklich.“ Am Ende des Studiums hatte sie „ein Diplom und zwei Kinder“ und hängte noch eine Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule an. Mit ihren künstlerischen Werken ist sie heute unter anderem in der Albertina, im Belvedere 21 und im STRABAG Kunstforum vertreten.

Druckgrafiken von Desislava Unger
Über den Gläsern mit den Farbpigmenten hängen einige Lieblingsaquarelle der Künstlerin.

Geschichten aus Form und Farbe

Ungers bevorzugte Techniken sind Zeichnen, Holz- und Linolschnitt sowie Siebdruck. „Beim Zeichnen erzähle ich Geschichten, die ich nicht kenne. Ich setze mich vor ein Blatt und mache die Augen zu. Dann beginnen Formen und Farben zu entstehen. Gleich mit dem ersten Gedanken beginne ich zu arbeiten. Das kann zum Beispiel die Vorstellung sein: Hier muss etwas Großes hinkommen, ein großer, gelber Fleck. Hier ein dicker Strich. Dann kommen vielleicht Fische oder Menschen dazu. Bevor ich anfange, habe ich nichts im Kopf, lese kein Gedicht, kein Buch, befasse mich nicht mit anderen Dingen, obwohl meine Werke oft so erzählerisch wirken. Während ich zeichne, fände ich es eher langweilig zu sagen, was gerade entsteht, zum Beispiel: ,Das ist jetzt Trauer.‘ Erst am Ende kann ich beschreiben, worum es geht.“

"Beim Zeichnen erzähle ich Geschichten.“

Desislava Unger
Linolschnitt von Desislava Unger
Die Künstlerin bei der Arbeit an einem großformatigen Linolschnitt.

Einssein mit der Natur

Sehr oft ergibt sich in Ungers Zeichnungen ein Bezug zur Natur, denn: „In der Natur habe ich das Gefühl, ich komme nach Hause. Dort fühle ich mich wohl. Zwei- oder dreimal in meinem Leben habe ich mich mit der Welt eins gefühlt – das war immer, wenn ich allein in der Natur war. Ich glaube, jeder Mensch sucht diesen Ort, an den er zurückkommen und sich eins mit allem rundherum fühlen kann, an dem er das Gefühl hat: Hier bin ich sicher.“

Zeichnungen mit Hoffnung und Zuversicht

Empathie und ein Gespür für Ambivalenzen ziehen sich schon immer durch Desislava Ungers Werk. In Zeiten des Ukraine-Krieges ist dabei ein kleines Objekt besonders in den Vordergrund gerückt: die Stecknadel. „Die gezeichnete Stecknadel beschreibt meine Hilflosigkeit. Es gibt diesen Krieg, und ich sitze hier in Ruhe und Sicherheit. Wenn man sich mit einer Stecknadel sticht, tut das nur kurz weh. Ein Schmerz, den man schnell vergisst, und dann ist alles wieder in Ordnung.“ Gleichzeitig könne die Stecknadel aber auch etwas provisorisch zusammenhalten, etwa wenn ein Schneider sie zum Heften verwendet. Die Stecknadel ist für Unger ein Symbol der Hoffnung und Zuversicht, dass die Dinge „wieder besser werden“.
Atelier Desislava Unger
Die eigens vom Vater der Künstlerin konstruierte Druckerpresse lässt sich über eine Fahrradkette ausrichten.

Druckerpresse mit Fahrradantrieb

Ihre Drucke produziert Desislava Unger übrigens selbst – in ihrer neuen Druckerpresse, die sie mit großer Leidenschaft bedient. Eine sympathisch-pragmatische Nähe zum Handwerklichen hat die Künstlerin nicht erst, seit sie während des Studiums bei einem Maler und Anstreicher jobbte, „Wände verputzte und Fenster schliff“. Auch in der künstlerischen Arbeit legt sie gerne selbst Hand an. „Ich liebe Holz, ich liebe es zu schnitzen!“ Das Drucken lässt ihr Herz merklich höherschlagen: Die Presse hat ihr Vater, Glaser von Beruf, nach ihren Anforderungen konstruiert. Denn mit Standard-Pressen hatte die 1,55 m große Künstlerin ein Problem: „Ich musste ständig von der linken auf die rechte Seite der Presse wechseln und nachhelfen, dass die Walze sich synchron senkt. Mein Vater hat bei dieser Presse eine Fahrradkette eingebaut, die das für mich erledigt. Jetzt kann ich sie von nur einer Seite bedienen.“

Auch die Arbeiten für die ARTcube21 Kollektion „Gras“ hat Unger auf ihrer neuen Presse gedruckt. „Seit ich sie habe, brauche ich so gut wie keine Probedrucke mehr. Meist ist schon beim ersten Druck alles perfekt.“

Einblicke in das Atelier von Desislava Unger

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