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Im Porträt: Norbert Wabnig

Norbert Wabnig Porträt in seinem Atelier
Norbert Wabnig in seinem Atelier - Foto: Matthias Dorninger

NORBERT WABNIG, *1983 in Kärnten, nach Abschluss der HTL Arbeit als Notfallsanitäter. Sein Informatikstudium an der TU Wien brach er ab, um sich ganz der Kunst zu widmen. Mitglied der Wiener Werkstatt Graphikkinder; Graffitikünstler und Berufsfotograf. Seine fotografischen Arbeiten werden international ausgestellt, zum Beispiel beim PhotoNOLA News Orleans Annual Festival of Photography, und publiziert (u. a. „National Geographic“). ​

Oben lärmt der Autoverkehr, unten die U-Bahn, und noch mal tiefer unten die Großbaustelle der geplanten Verlängerung der Linie U2. Hier wirkt Wien, als würde die Stadt am offenen Herzen operiert. An der Haltestelle vor der Linken Wienzeile 108 warten ein paar Leute auf den Bus, ihr Blick fällt ins helle Souterrain des alten Zinshauses, direkt in die Siebdruckwerkstatt Wiener Unart der Künstlerin Katharina Blum. Wie eine umgedrehte Metallspinne steht die Siebdruckmaschine im Eingangsbereich. Künstlerin Stefanie Sargnagel lässt hier ihre Comics ausarbeiten, die Band 5/8ERL IN EHREN ihre Fanshirts. Regelmäßig aktiv ist hier auch Norbert Wabnig, 39. Als Mitglied des Künstler:innen-Kollektivs Graphikkinder hat er sich bei Wiener Unart eingemietet.

Grafikkünstler, Sprayer, Notfallsanitäter

Wabnig ist künstlerisch vielseitig und umtriebig, einer jener Menschen, die wirken, als hätten sie Platz für drei Leben in einem. Mit einem Nebensatz skizziert er mögliche Zweit- oder Drittkarrieren – ein paar Entscheidungen und das Leben wäre wahrscheinlich anders verlaufen. Ein Informatik-Studium an der TU Wien gab der zeichnerisch talentierte HTL-Absolvent zugunsten der Kunst auf – und machte sich einen Namen als Graffitikünstler, Fotograf und Grafiker. Die berufliche Station als Notfallsanitäter war persönlich prägend und hat deutliche Spuren in Wabnigs Werk hinterlassen, etwa in der Reihe Ansichten eines Schädels. 54 Drucke umfasst diese Serie aktuell, vier davon sind jetzt auch bei ARTcube21 erhältlich, gedruckt vom Meisterdrucker und Künstler Josef Mühlbacher, einem Ehrenmitglied der Graphikkinder.

Totenkopf
von Norbert Wabnig

Ein Totenkopf taucht aus dem Dunkel auf. Sein „Blick“ ist frontal auf die Betrachtenden gerichtet. Gekonnt in Szene gesetzte Hell-dunkel-Kontraste verstärken die Eindringlichkeit des Sujets – ein Symbol des Todes.

Silvia Müllegger

EDITION ARTcube21

Totenkopf von Norbert Wabnig, Radierung
ARTcube21 Edition von Norbert Wabnig, 9,7 x 12 cm, Radierung, 2023

Der Tod als Kaltnadelradierung

„Als Zivildiener habe ich schnell den Reanimationsrekord gebrochen. Ich war extrem oft mit dem Tod konfrontiert, das bleibt stark im Kopf hängen und jagt einen“, sagt Wabnig. Das Symbol des Totenkopfs steht auch deshalb im Zentrum seiner Serie. Wabnig interessiert der Umgang einer Gesellschaft mit dem Tod, aber auch mit der eigenen Sterblichkeit. „Was die Bildsprache betrifft, wird die Reihe immer abstrakter. Sie führt immer tiefer in den Albtraum hinein. Auch technisch: Sie beginnt mit einer Mezzotinto-Arbeit und geht in eine Vielzahl komplett abstrakter Kaltnadelradierungen über. Ich stelle den Tod dar als etwas Konfrontierend-Hässliches.“

„Mein Hauptthema ist Licht.“

Zeichnung, Druck, Graffiti – und retour

Künstlerisch bezeichnet sich Wabnig als „Grafiker mit Schwerpunkt Fotografie“. Licht sei sein Hauptthema. Die dreidimensionalen Graffiti-Arbeiten, die er gemeinsam mit ARTcube21 Künstler Jeremias Altmann umsetzt, orientieren sich in der Lichtsetzung am Realismus. „Das Thema Licht überträgt sich in die Zeichnung und auch in den Druck – dann wieder zurück in die Fotografie. Die Bereiche beeinflussen sich gegenseitig. Es gibt viele Überschneidungen, mit denen man sich spielen kann, analog fotografiere ich daher auch mit einer Hasselblad-Kamera.“

Fotografieren zeitloser Landschaften

Beim Fotografieren liege sein Fokus auf zeitloser Landschaftsfotografie, sagt Wabnig und weist auf ein Foto aus seinem Portfolio. Es ist this land betitelt und zeigt sanfte Hügel „irgendwo in Niederösterreich“. Zu seiner Idee von „Zeitlosigkeit“ führt der Künstler aus: „Ich kann mir vorstellen, dass in dieser Landschaft ein SUV herumfährt, aber genauso wäre es denkbar, dass gleich ein Dinosaurier daherkommt.“ Die Grundlage seines Werkes bilde aber die Zeichnung. „Ich zeichne, seit ich klein war, als Volksschüler habe ich Vögel und giftige Kärntner Pilze und Tiere gezeichnet und die Bilder um 10 Schilling am Hobbyisten-Kunstmarkt verkauft.“

Hochdruckpresse Isolde, Tiefdruckpresse Ina

Tiere ziehen sich als Motiv durch Wabnigs Werk. „Im Graffiti nehmen sie zwar weniger Platz ein, dafür umso mehr in der Druckgrafik“, sagt Wabnig und holt eine Radierung aus dem Nebenraum, die einen Wal zeigt. „Früher hab’ ich Zeichnungen immer weggeschmissen. Jetzt habe ich die technische Möglichkeit, sie zu drucken!“ Norbert Wabnig führt weiter durch die Werkstatt. „Wir haben unseren Geräten Frauennamen gegeben. Das hier ist Hochdruckpresse Isolde. Mit der kann man auch Serien herstellen, weil sie einen Mechanismus hat, der die Blätter nachzieht.“ Daneben Tiefdruckpresse Ina, auf der Wabnig seit Anfang der 2010er-Jahre Radierungen anfertigt. „Jeremias hat mich so lange bearbeitet, bis ich begonnen habe, mit Radierungen zu arbeiten, seither sinke ich immer tiefer in dieses Rabbithole ein“, erklärt Wabnig, mit Bezug auf Alices magischen Ausflug ins Wunderland. Die Graffitiarbeiten – gemeinsam setzen Wabnig und Altmann großformatige Murals an Gemeindebauten um – treten hingegen langsam in den Hintergrund. „Ich mache das jetzt seit 26 Jahren. Die Leute sprechen mich beim Sprühen schon mit ,Sie‘ an. Für mich ist das ein Zeichen, aufzuhören.“ Macht aber nichts: Es gibt schließlich genug andere Techniken und Motive, die in Zukunft auf Norbert Wabnig warten.

Einblicke in das Atelier von Norbert Wabnig

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