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Zwischen Minimal Art und Illusion

Raumansicht zs art galerie 1070 Wien_Judith P. Fischer
Raumansicht zs art Galerie 1070 Wien

Die heutige Kunstbetrachtung führte mich in zwei Ausstellungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Zum einen in die neue Schau der zs art Galerie im siebenten Bezirk, welche inhaltlich das Thema Reduktion und Verdichtung behandelt; zum anderen ins neu eröffnete phileas, welches die um Inszenierung und Identität kreisende Ausstellung „Soft Machine“ zeigt.

Minimalismus par excellence

Klarheit. Form und Konzept.

Wenn man die zs art Galerie betritt, findet man imposante Räumlichkeiten vor, welche einen passenden Rahmen für die ausgestellten Werke darstellen. Diese scheinen auf den ersten Blick der Minimal Art zugehörig. Man sieht kühle Flächen, blaue und schwarze reifenartige Objekte, goldfarbene Erhebungen, die an der Wand ihre eigene Form definieren. Amorph, verschlungen, lebendig wirkend, doch kühl und glatt im Material. Es ist die Rede von einem individuellen Minimalismus. Ein Begriff, der sich mir erst auf den zweiten Blick erschließt, da die Formen der Objekte einander ähneln. In den unterschiedlichen Positionen der Künstlerinnen kann man aber bei näherer Betrachtung der Individualität nachspüren, jede Künstlerin hat ihre eigene Strategie, sich dem Titel „Reduktion durch Verdichtung“ anzunähern.

Freiheit der Interpretation

Ein geeignetes Beispiel ist die zweiteilige Werkgruppe „ER + SIE“, bestehend aus zwei Glaskuben von Judith P. Fischer, die von Ferne betrachtet eine rote Masse beherbergen, welche sich bei genauem Ansehen als Gummiringerln entpuppt. Eine humorvolle Interpretation der Verdichtung – von der reinen Masse des Materials bis zu Assoziationen des Abdichtens, Dichtmachens, die das Material Gummi aufwirft.

Eine andere Arbeit der Künstlerin zeigt Kreise aus Federstahl, die, am Boden liegend, eine Kreisansammlung ergeben. „Bei den Kreisen kann man nicht genau ausmachen, wo der eine beginnt und der andere aufhört“, so die Künstlerin, die als Bildhauerin gerne mit Materialien wie Rundstahl, Silikon, Gummi, Bronze, Stahl oder Elastomeren experimentiert. Ein duales Objekt erinnert an Haare, die sich in Korrespondenz befinden.

"REFLECTION" von Judith P. Fischer
"REFLECTION" von Judith P. Fischer

„Wie man meine Objekte interpretiert, das überlasse ich jedem selbst“, so die Künstlerin Judith P. Fischer über einen ihrer neuen Bronzegüsse. Bei diesen denkt man an Stockzähne, weibliche Formen oder auch an Yin und Yang aufgrund der unterschiedlichen Farbgebung. Ihr offener Zugang zur Kunstinterpretation überrascht positiv.

Zahlenaffinität und Akribie

Dem geometrischen Minimalismus hat sich Veronika Rodenberg verschrieben, welche matte und glänzende Flächen kombiniert und zu Rechtecken vereint. Die glänzenden Werkteile sollen den Betrachtenden als Spiegel dienen, spannungsgeladen, doch harmonisch in ihrer Komposition. Anders hingegen sind ihre Papierarbeiten, welche Linien in verschiedenen Winkeln aufweisen. Auf den ersten Blick scheint es einfach, reduziert. Von Verdichtung sieht man – meiner Meinung nach – wenig. Doch diese ist, so erklärt mir später Guido Zehetbauer-Salzer, Galerist und Kurator der Ausstellung, erst durch die gedankliche Vorarbeit zu spüren.

„Reduktion bedeutet Klarheit. Und Klarheit wiederum, entsteht durch Verdichtung des Wesentlichen.“

Cornelia Hellstern
Denn Zahlenaffinität und akribische Vorbereitung führten zum reduzierten Ergebnis, welches sich den Betrachter:innen erst erschließen muss. Kunst, philosophischen Fragestellungen entsprungen, manchmal widerspenstig, manchmal eingängig im Resultat. Aus der Eröffnungsrede von Cornelia Hellstern: „Reduktion bedeutet Klarheit. Und Klarheit wiederum entsteht durch Verdichtung des Wesentlichen.“ Schön gesprochen.
zsart Werke von Tonneke Sengers und Veronika Rodenberg
zs art Ausstellung - Zwischen Reduktion und Verdichtung: Werke von Tonneke Sengers, Veronika Rodenberg und Judith P. Fischer

Der Illusion auf der Spur

Die niederländische Künstlerin Tonneke Sengers hingegen setzt in ihren exakt durchnummerierten Wandarbeiten auf „rhythmische Wiederholungen einfacher Grundformen“ (zs art Galerie). Schwarz-weiße flache Objekte mit Ausstanzungen schweben einen Zentimeter vor der Wand. Diese sollen einen „plastischen“ Raumeffekt erzeugen. Ich betrachte sie eingehender und sehe Linien, die sich überschneiden, Schatten, die Räume erzeugen, die nicht vorhanden sind, optische Täuschungen, die mit dem Raum verschwimmen. Eine Irritation des Auges, architektonische Illusionen. Geometrisch durchdacht. Die Intention ist gelungen.

„Der Raum wird so Teil des Wandbildes und umgekehrt das Objekt Teil des Raumes“, wie es im Begleittext heißt. M.C. Escher lässt grüßen.

Ausstellung
Reduktion durch Verdichtung
11.5. bis 10.6.2022
zs art galerie
Westbahnstraße 27-29, A-1070 Wien

Mit Werken von Judith P. Fischer, Veronika Rodenberg, Tonneke Sengers

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