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Wie starte ich eine Kunstsammlung?

MoMA - Foto: Anton Ivanov/Shutterstock
MoMA - Foto: Anton Ivanov/Shutterstock

Muss ich mich spezialisieren? Soll ich auf Trends achten? Eine Anleitung für die ersten Schritte als Kunstsammler:in. 

„Sammlung“, das klingt gleich ein wenig überfordernd. Nach einem riesigen unterirdischen Depot, in dem Kunstwerke lagern, und einem stringenten Konzept, nach dem gekauft wird. Aber keine Angst, auch berühmte Kunstsammler:innen haben mal ganz klein angefangen, ohne recht zu wissen, wohin es gehen soll. Eine Kunstsammlung ist ein lebender Organismus, der sich ständig verändert.

Junge Kunst ist unberechenbar

Natürlich freuen sich Sammler:innen nicht nur über Zuwachs in ihrer Sammlung, sondern auch, wenn diese im Wert steigt. Sollen also Werterwägungen beim Kauf also an erster Stelle stehen? Bloß nicht, meint Kunstsammler Martin Cserni: „Das Wichtigste ist, dass mir ein Werk gefällt! Ich würde nie ein Bild ausschließlich als Wertanlage kaufen.“ (lesen Sie mehr im ARTcube21 Interview mit Cserni). Gerade bei jungen Künstler:innen, die gerade noch leistbar sind, kann niemand vorhersagen, welche Karrieren sie machen werden. Sinnvoller ist es, sich hier auf die eigene Neigung und Menschenkenntnis zu verlassen. Warum nicht einfach schauen, wer und was einem liegt?
Akademie der bildenden Künste - Gebaeude -(c)Helmut Wimmer
Akademie der bildenden Künste © Helmut Wimmer

Wie lerne ich Künstler:innen kennen?

Der erste Schritt ist deshalb: Lassen Sie sich treiben und schauen Sie, welches Kunstwerk zu Ihnen spricht. Der Trigger kann visuell sein oder konzeptuell. Vielleicht fasziniert Sie einfach der Gedanke, der hinter einer Arbeit steckt? Schön ist es auch, wenn Sie die Möglichkeit haben, die Künstler:innen persönlich kennen zu lernen. Vernissagen eignen sich dazu bestens. Auf Rundgängen in Akademien stellen Studierende ihre Werke aus. Am besten, Sie tragen sich in die Newsletter von Kunstschulen (zum Beispiel den der Akademie der Bildenden Künste) ein, um zu erfahren, wann Rundgänge stattfinden oder die Abschlussklassen ihre Arbeiten präsentieren.

Wie bekomme ich Einblick in die Szene?

Auch Atelier-Besuche sind eine gute Gelegenheit, Kunst dort zu sehen, wo sie entsteht. In größeren Städten wie Wien werden regelmäßig Atelierrundgänge durch bestimmte Bezirke angeboten, auch hier können Sie sich für einen Newsletter eintragen, um von solchen Events zu erfahren. Festivals wie die Vienna Art Week bieten jedes Jahr Studiobesuche an. Kunstmessen können gerade am Beginn etwas überfordernd sein, aber, der Vorteil: Sie sehen viel Unterschiedliches und können sich einen guten Überblick über den Kunstmarkt verschaffen.

Soll ich Kunstmessen besuchen?

Die wichtigste Kunstmesse im deutschsprachigen Raum, ja vielleicht die wichtigste überhaupt ist die Art Basel, die Ableger in Miami Beach und Hong Kong unterhält. Schon seit 1970 bietet die Art Basel Galerien die Möglichkeit, Sammlern, Museen und Kurator:innen ihre Arbeit zu präsentieren. Anders als in Museen wird hier Kunst wirklich als Ware präsentiert. Interessierte Käufer:innen haben gegen ein Entgelt von 65 Schweizer Franken (rund 62 Euro) Zugang zur Art Basel – die Galerien und ausgestellten Künstler:innen werden dagegen von einem Gremium handselektiert.

ArtBasel © Nici Jost/Art Basel
ArtBasel © Nici Jost/Art Basel

Wie spezialisiere ich mich?

Wenn Sie sich intensiv mit Kunst beschäftigen, wird sich mit der Zeit auch bei Ihnen eine Tendenz, eine Vorliebe bemerkbar machen: Spricht Sie Fotografie mehr an als Grafik oder Malerei? Ist Feminismus ein Thema in Ihrer Sammlung? Spezialisieren Sie sich auf österreichische Kunst? Sammeln ist ein Lernprozess, der den eigenen Blick schärft. Das bedeutet aber auch, dass Ihnen irgendwann nicht mehr alles gefallen wird, was Sie im ersten Eifer gehortet haben. Auch das Ausmustern und Nachschärfen gehört zum Sammeln dazu.

Was kostet eine Sammlung?

Doch wie bekomme ich die Werke in meine Wohnung? Und was kostet eine Kunstsammlung überhaupt? Auch das hängt davon ab, was gesammelt wird. Riesige Gemälde sind nicht nur teurer, sie brauchen auch jede Menge Platz. Für Einsteiger:innen sind Editionen sinnvoll. Das sind signierte Originale, die in limitierter Auflage erschienen sind. Weil es sie mehrfach gibt, sind sie günstiger als etwa Gemälde. Und sie sind meist auch von der Größe überschaubar. Das heißt, man kann sie gut kombinieren an den eigenen vier Wänden, schauen, was zusammenpasst. Denn auch das ist bei der eigenen Kunstsammlung wichtig: Nicht alles kommt in kleinen Räumen zur Geltung. Vielleicht haben Sie ja auch die Möglichkeit, das eine oder andere Stück im Büro oder in der Praxis aufzuhängen?

Kunst kommt ohne Garantie

Eine Garantie gibt es aber ohnehin nie, dass sich Kunst wieder verkaufen lässt. Eventuell nimmt die Galerie eine Arbeit zurück, die man dort gekauft hat – man sollte aber möglichst diskret fragen. Das Dorotheum ist eine Option. Aber auch Instagram oder Ebay sind Plattformen, auf denen Kunst seriös angeboten wird. Fixen Preis gibt es allerdings keinen: Kunst ist immer so viel Wert, wie jemand dafür bezahlen möchte. Deshalb sollten Sie mit der Zeit auch gezielter sammeln. Denn vermutlich besitzen Sie weder Depot noch Tiefenspeicher, sondern nur die eigenen vier Wände, um ihrer Kunst den Raum zu geben, die sie braucht

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