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Die Geschichte des Bilderdrucks

Detail eines Großformat-Druckers
Entnahme eines frischen Druckbogens aus der Schnellpresse

Entsteht beim Drucken eigenständige Kunst, sprechen wir von einer „Druckgrafik“. Was das ist, erklären wir hier. 

Bitte nicht verwechseln! – Kunstdrucke haben mit Postern, denen ein berühmtes Werk als Vorlage dient, nichts zu tun. Vielmehr sind Kunstdrucke aufwendig hergestellte Werke. Das Hauptanliegen des klassischen Kunstdrucks ist es, ein Gemälde so originalgetreu wie möglich zu reproduzieren. Um den Farbeindruck des Originals zu erreichen, werden statt des üblichen Vierfarbdrucks deutlich mehr Druckfarben eingesetzt; acht bis zwölf Farben sind beispielsweise im Giclée-Druckverfahren nicht ungewöhnlich. Weiters benutzt man für Kunstdrucke hochwertige Papiere, die fest sind und oft Struktur haben.

Kunstdruck oder Druckgrafik?

Ebenfalls als Kunstdruck wird umgangssprachlich aber auch das bezeichnet, was die Fachwelt ‚Druckgrafik‘ nennt, nämlich ein Werk, das vom Künstler oder der Künstlerin von vornherein als Druck konzipiert ist, so wie die Sondereditionen im ARTcube21-Shop. Hier gibt es nicht ein Original und dessen Reproduktionen, sondern eine limitierte Anzahl gedruckter Originalwerke. Mitunter wird, sobald die begrenzte Auflage erreicht ist, die Druckplatte vernichtet, damit es keine weiteren Kopien geben kann.

Lithographie: der Steindruck

Historisch gehen Kunstdrucke überraschenderweise auf einen Bühnenautor zurück: Alois Senefelder wollte seine Theatertexte vervielfältigen und erfand Ende des 17. Jahrhunderts den Steindruck, auch Lithographie genannt. Bald wurden so auch Bilder gedruckt und nachträglich manuell koloriert, – bis zur Erfindung der Chromolithografie 1837 . Dabei wird ein Bild in bis zu 25 Farben zerlegt. Anschließend wird jede Farbe – von hell nach dunkel – in einer eigenen Schicht gedruckt.

Kunstdruck mit Licht

Noch aufwendiger und hochwertiger war der Lichtdruck (ab 1850), bei dem Chromatgelatine (oder: Chromgelatine), also lichtsensitiv gemachte Gelatine, auf eine Glas- oder Metallplatte aufgetragen und anschließend belichtet wurde. Auch hier kamen mehrere Farbplatten zum Einsatz. Heute gibt es weltweit nur noch einige wenige Lichtdruck-Werkstätten: im Museum für Druckkunst Leipzig, in der weltältesten Fotowerkstatt der Gebrüder Alinari in Florenz und bei Benrido-Druck in Kyōto, Japan. Die Familie Bertholdt im deutschen Hechthausen betreibt die, nach eigenen Angaben, kleinste Lichtdruckerei der Welt.

Beispiele der Lichtdrucktechnik – freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Museum für Druckkunst Leipzig:

Offset: Indirekt drucken mit Zylinder

Der Offsetdruck ist eine Weiterentwicklung der Lithographie. Senefelder konstruierte auch eine Zylinderpresse mit Steinplatte und Gegendruckzylinder. Damit konnte schneller gedruckt werden, und auch der Druck größerer Bögen wurde möglich. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der sich langsam hin und her bewegende Stein durch einen rotierenden Zylinder mit aufgespannter Metallplatte ersetzt. Dies beschleunigte das Drucken abermals und führte bald zur Konstruktion von indirekt druckenden Maschinen. Die Farbe wird hier von der Druckplatte auf einen Gummituchzylinder und dann erst auf Papier oder andere Materialien übertragen. Dieses Verfahren schont die Druckplatte, und der Gummituchzylinder kann leicht und günstig ausgetauscht werden.

Siebdruck: eine japanische Erfindung

Der in Japan entstandene Siebdruck ist Anfang des 20. Jahrhunderts in Amerika weiterentwickelt worden und wird auch industriell und im Textildruck eingesetzt. Dabei wird die Farbe durch ein feinmaschiges Gewebe hindurch auf das zu bedruckende Material gepresst. Ein Vorteil des Verfahrens liegt darin, dass der Farbauftrag je nach Gewebefeinheit variiert werden kann. So können unterschiedlich dicke Farbschichten erzeugt werden.

Digitale Kunstdrucke

Digitaldruck schließlich bezeichnet eine Gruppe von Druckverfahren, bei denen das Druckbild direkt aus einer Computerdatei in eine Druckmaschine übertragen wird. Die populärsten Verfahren sind die Elektrofotografie/Fotokopie (Patent 1937), der Tintenstrahldruck (ab 1960) und der Laserdruck (ab 1970). Besonders hochwertige Tintenstrahldrucke werden mit dem Giclée-Verfahren erzeugt. Sie sind farbecht, lichtbeständig und geben Farbtöne mit größter Präzision so wieder, wie der/die Künstler:in es sich wünscht. Die Vorlage für den Digitaldruck wird entweder direkt am Computer erstellt oder – unter Berücksichtigung der Maltechnik und einer darauf abgestimmten Ausleuchtung – abfotografiert und digitalisiert. Mitunter werden auch gemalte oder gezeichnete Vorlagen am Computer weiterbearbeitet, Farben und Strukturen verändert oder ergänzt.
Detail eines Großformat-Druckers
Detail eines Großformat-Druckers

3-D-Kunstdrucke

Relativ neu ist, dass Kunstdrucke auch dreidimensional produziert werden können. 1981 wurde die Stereolithographie erfunden. Der erste 3-D-Drucker (SLA-1) kam bereits 1987 in den Handel. Seit 2010 ist ein Fused-Layer-Modeling-Drucker für den Heimbedarf erhältlich. Die Stereolithographie wurde somit um eine Dimension erweitert. Das Werkstück wird schichtweise aus geschmolzenem Kunststoff oder auch aus Metall aufgebaut. Parallel dazu hat sich das 3-D-Siebdruckverfahren entwickelt. Mit diesen Verfahren steht den Druckgrafiker:innen zukünftig auch die Welt der Skulpturen offen.

Meilensteine des Bilderdrucks

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