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Was ist eine Lithographie?

Lithographie - Foto: Matthias Dorninger
Lithographie - Foto: Matthias Dorninger

Die Lithographie (auch: Litografie) ist ein Flachdruckverfahren, das heißt: Die Druckplatte wird dafür nicht, wie bei Hoch- oder Tiefdruckverfahren eingeritzt, sondern druckende und nicht-druckende Bildteile liegen auf einer Ebene. Ihr Name (von Griechisch lithos, Stein, und graphein, schreiben) verweist bereits darauf, dass in der Regel Steinplatten als Medium dienen. 

Wer erfand die Lithographie?

Erfunden im Jahr 1798, gehörte die Lithographie im 19. Jahrhundert zu den häufigsten Techniken für Farbdrucke. Bis etwa 1930 war der Steindruck weit verbreitet, dann löste ihn der Offsetdruck nach und nach ab. Heute werden Lithographien fast ausschließlich im Kunstkontext hergestellt.

Wie entsteht eine Lithographie?

Der/die Lithograph:in fertigt die zu druckende Zeichnung manuell und seitenverkehrt auf einen Lithographiestein an. Dabei nutzt er/sie den chemischen Gegensatz von Fett und Wasser. Während die zu druckenden Partien fettfreundlich sind, werden die nichtdruckenden Stellen mit einem Wasserfilm befeuchtet und stoßen die fettreiche Druckfarbe später ab. Nach der Vorbereitung wird die Steinplatte mit Ölfarbe bestrichen, die entsprechend nur an jenen Stellen haftet, die „fettfreundlich“ präpariert wurden. Wird nun ein Papier oder Karton auf den Stein gelegt und mit großer Kraft angedrückt, überträgt sich das Bild. Für diesen Vorgang braucht man eine sogenannte Steindruckpresse.

Auftragen von Farbe auf einen Lithographiestein
Auftragen von Farbe auf einen Lithographiestein - Foto: Indigitalblind Photos/shutterstock

Wie kommt das Bild auf den Lithographiestein?

Um ein Bild händisch auf den Lithographiestein zu übertragen, benötigt man eine spezielle Zeichenfeder. Meist ist sie aus Stahl, aber auch eine Rohrfeder, ein Pinsel, Fettkreiden oder ähnliche Zeichenwerkzeuge sind möglich, um die sogenannte lithographische Tusche aufzutragen. Diese Tusche besteht in der Regel aus Wachs, Fett, Seife und Ruß – und markiert jene Stellen, auf denen in der Folge die Druckfarbe haften bzw. nicht haften soll. Unterläuft beim Zeichnen ein Fehler, kann er mit sogenannten Schabern oder auch durch Ätzen ausgebessert werden. Wenn der/die Künstler:in das Motiv von einer Skizze auf den Stein überträgt, ist es zudem wichtig, dass der Stein nicht mit der Hand berührt wird. Ein fettiger Fingerabdruck würde das Druckergebnis verfälschen. Viele Lithograph:innen arbeiten darum an einem speziellen Lithographie-Pult. Ein sinnvolles Hilfsmittel kann auch ein kleiner Projektor sein, der die Ursprungsskizze auf den Stein projiziert, sodass man sie nur noch nachfahren muss.

Schönheit vor Effizienz

Sie sehen schon: Die Lithographie erfordert besonders viel Zeit und Geduld. Somit sperrt sie sich gegen das heutige Effizienzdenken.

„Die Lithographie ermöglicht ein sehr freies Zeichnen und Malen am Stein, aber auch Materialabdrucke, Transferdrucke, Fotoübertragungen sind möglich. Die Lithographie verbindet diese verschiedenen Elemente zu einem einheitlichen Farbauftrag im Druck. Gerade im Mehrfarbendruck lassen sich dabei sehr malerische Wirkungen erzielen.“

Wie erkenne ich eine Lithographie?

„Ob es sich um eine Originallithographie, also eine vom Stein gedruckte, handelt, kann man als Laie schwer erkennen. Am ehesten sieht man es an der Körnung des Steins, die sich bei einer Kreidelithographie im Druck zeigt und ganz anders ist als etwa ein fotografischer Raster beim Offset. Manchmal entsteht auch durch den Steinrand eine leichte Prägung im Papier.“ – Diese Prägung fällt weicher aus, als etwa der Abdruck der scharfkantigen, rechtwinkligen Radierplatte. Originallithographien haben ein großes Wertsteigerungspotential.

Antike Lithographie-Presse
Antike Lithographie-Presse - Foto: VADL/shutterstock
Weiterführende Literatur:
  • Walter Koschatzky (Hrsg.) „Die Kunst vom Stein“, ISBN 3-7008-0297-8
  • Felix Brunner „Handbuch der Druckgraphik“, ISBN 10: 3-72120020-9

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