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Was ist eine Radierung?

Radierung - Georg Lebzelter - Foto: Matthias Dorninger
Radierung - Georg Lebzelter

Die Radierung ist eine Tiefdrucktechnik, die parallel mit der industriellen Papiererzeugung im frühen 16. Jahrhundert aufkam. Ihr Name leitet sich von Lateinisch radere: kratzen, entfernen ab. Hier wollen wir die bekanntesten beiden Spielarten der Radierung vorstellen, die Ätzradierung (chemische Technik) und die Kaltnadelradierung (mechanische Technik). 

Wie entsteht eine Ätzradierung?

Für die klassische Ätzradierung wird eine Platte (aus Kupfer, selten Zink oder Messing) poliert und anschließend mit einem speziellen Lack bestrichen. Danach wird das Motiv spiegelverkehrt auf die lackierte Druckplatte aufgetragen. Linien des Motivs werden mit der Radiernadel in die Lackschicht geschabt. Nun wird die Platte in ein Säurebad getaucht. Die Säure ätzt die Linien genau dort in das Kupfer ein, wo der schützende Lack zuvor eingeritzt wurde.

Nach vielen Stunden Arbeit ist die Druckplatte fertig. Nun kann sie mit Farbe bestrichen, blank gewischt, in eine Druckerwalze eingelegt und gedruckt werden. Dabei saugt das Papier, das auf der Druckplatte aufliegt, ähnlich einem Schwamm, die Farbe aus den Vertiefungen auf. Jeder Druckvorgang ist individuell.

Die Technik der Radierung wird häufig mit der Technik der Aquatinta kombiniert. Aber was ist eigentlich eine Aquatinta? Georg Lebzelter erklärt:

Georg Lebzelter über Aquatinta

“Die Aquatinta ist das Flächen-Ätzverfahren des Tiefdrucks, so die offizielle Definition. Wenn ich Flächen und Halbtöne im Tiefdruck erzielen möchte, brauche ich eine Art von Rasterung, weil die Platte selber, wenn ich sie auswische ist nicht druckend. Wenn ich die mit Linien versehe, habe ich alle Möglichkeiten, mit Schraffuren und Strichlagen zu gestalten. In der Aquatinta gibt es flächige Elemente. Das ist dann das Resultat von dem Prozess. Die Platte wird gesäubert, entfettet und wird dann mit einem Säurefesten Pulver, z.B. Kolophonium oder einem Sprühlack angesprüht.

Dann habe ich ein System aus lauter kleinen, säurefesten Punkten. Diese Fläche wird dann geschabt. Je nachdem, wie lange ich das im Ätzbad der Säure aussetze, entstehen mehr oder weniger tiefe Näpfchen innerhalb der Platte, wie so ein kleiner Punkt-Zwischenraum-Raster – so ein schönes Wort! – die die Halbtöne definieren im Druck. Je tiefer man gräbt, desto mehr Farbe, desto dunkler.”

Wie entsteht eine Kaltnadel­radierung?

Im Englischen nennt man sie „dry point“: trockener Stich. Denn bei der Kaltnadel­radierung wird die Zeichnung unter Kraftaufwand mit einer Radiernadel oder anderen Kratzwerkzeugen direkt in die Druckplatte eingeritzt. Weil die Radiernadel aus schwerem Stahl besteht, erleichtert ihr Eigengewicht das Zeichnen und Ritzen auf der Platte. Bei einer Kaltnadel­radierung lassen sich besonders feine Grau-Schattierungen und weiche Konturen erzielen. Rembrandt war unter den ersten, die Kaltnadel- und Ätzradierung kombinierten, aber auch Edvard Munch, Max Beckmann oder Picasso waren Meister dieser Technik. Merkmale der Kaltnadel­radierung:
  • Die Farbe liegt reliefartig erhöht auf dem Papier.
  • Neben dem Grat tritt der sogenannte Gratschatten, also die Kontur, als weicher Begleitton auf.
 

Einplatten­­radierung oder Mehrplatten­radierung?

Egal ob Kaltnadel­radierung, Ätzradierung oder andere Tiefdrucktechniken: Bei jeder Radierung unterscheidet man zwischen Einplatten­radierung und Mehrplatten­radierung, je nachdem ob beim Druckvorgang eine oder (nacheinander) mehrere Platten verwendet werden. Sind es mehrere, können für eine Farbradierung verschiedene Farben gedruckt werden – in einer logischen Reihenfolge vom helleren zum dunkleren Farbton.

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