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Im Porträt: Renata Darabant

Renata Darabant in ihrem Atelier
Renata Darabant in ihrem Atelier

RENATA DARABANT *1986 in Rumänien, lebt seit 1992 in Österreich. Während des Studiums der Bildenden und Medialen Kunst an der Universität für angewandte Kunst Wien und der Tokyo University of the Arts Japan spezialisierte sie sich auf Japanischen Farbholzschnitt und gründete 2015 das Druckwerk Wien, ein Atelier für Druckgrafik. Neben der künstlerischen Arbeit lehrt sie unter anderem als Lektorin an der Kunstuniversität Linz. Internationale Ausstellungstätigkeit in Deutschland, Frankreich, der Ukraine, China, Japan und den USA. Ihre Arbeiten sind Teil öffentlicher Sammlungen wie jener der Österreichischen Nationalbibliothek, der Akademie der bildenden Künste Wien oder des Landes Niederösterreichs.

Brütende Hitze an diesem Sommertag in Wien, aber im Druckwerk in Wien-Liesing ist es angenehm kühl. Ein leichter Luftzug kommt durch das gekippte Fenster, lässt die hauchdünnen Washi-Papier-Lamellen von Renata Darabants Arbeit „Floating Sky“ hin und her wogen. Die Blätter haben eine Grammatur von 9 g/m2, sind zart wie Libellenflügel – aber sie haben es in sich. „Japanisches Papier ist extrem stabil und reißfest“, sagt Darabant.

Die Freiheit des Fremdseins

Ende der Nullerjahre hat sich Darabant als Studierende der Angewandten künstlerisch auf Japanischen Farbholzschnitt spezialisiert, eine in Österreich selten betriebene Technik – jedenfalls verglichen mit Holz-, Linol- oder Siebdruck. Die Leidenschaft für das Thema packte sie bei einer Japan-Exkursion mit ihrer Uni-Klasse. „Ich hatte davor kaum Berührungspunkte mit japanischer Kunst und Kultur, war kein Anime-Fan oder Cosplay-Nerd. 9.000 km von Österreich entfernt stellte sich bei mir aber ein total befreiendes Gefühl ein. Als wäre ganz Tokio mit weißem Papier überzogen und ich wäre der Stift.“

Japanisches Washi-Papier: Die innere Stärke zählt

Japanische Kunst als Kollaboration

Mittlerweile unterrichtet Darabant unter anderem an der Kunstuni Linz, stellt ihre Arbeiten international aus und leitet die von japanischen Denkansätzen geprägte Druckwerkstatt in Wien. Kreative und Künstler:innen im grafischen Bereich können hier produzieren, und auch Laien haben die Möglichkeit traditionelle und ungiftige druckgrafische Verfahren zu lernen. Darabant lädt auch andere Expert:innen als Lehrende ein. Anita Bauer, Bernhard Cociancig und Katya Dimova gehören ebenso zum Netzwerk der gebürtigen Rumänin mit ungarischer Muttersprache wie Michael Erasmus Wegerer, der sein Atelier gleich gegenüber am selben Gang hat (mehr dazu in unserem Text Im Porträt: Michael Erasmus Wegerer) „Das Verständnis, was Grafik und Druckgrafik ist, ist für mich sehr offen. Die Leute, die mich interessieren, versuche ich als Unterrichtende zu gewinnen, wenn meine Möglichkeiten es erlauben“, erzählt sie, während sie einen Rollsessel zu ihrem raumfüllenden Arbeitstisch schiebt.

Edition von Renata Darabant

“Auf blauen und grünen Flächen zeigt sich im starken Orange gehalten eine verästelte Figur. Diese abstrahierte Form, aus einem photographischen Sujet freigestellt, ermöglicht freie Assoziationen und erzeugt eine tiefere Verbindung in der menschlichen Wahrnehmung. Für Renata Darabant sind Bilder Zeugen von Spuren, von Prozessen oder in diesen Fall Dokumente oder Momente ihrer Reisetätigkeit.”

Silvia Müllegger

EDITION ARTcube21

O. T., 20 x 20 cm, Holzschnitt auf „Mitsumi white“ Japanpapier, 2022.

„9.000 km von Österreich entfernt stellte sich bei mir aber ein total befreiendes Gefühl ein. Als wäre ganz Tokio mit weißem Papier überzogen und ich wäre der Stift.“

Renata Darabant

Druckwerkstatt to go

Sperrholzplatten, Messer, Folien, Pigmente, Schleifsteine, Zutaten für Leim und Kleister, Wäscheleine und -kluppe und natürlich das Washi-Papier – wenn Darabant zu ihren Workshops, die sie mittlerweile auch nach Skandinavien führen, fährt – verschickt sie vorab das Equipment für die Teilnehmer:innen mit der Spedition. „Das alles wiegt um die 40 Kilo und hat in einer Kiste Platz“, sagt sie und deutet in den kleinen Nebenraum: „Auf diesen zwei Regalböden liegen alle Utensilien, die ich für Japanischen Farbholzschnitt brauche. Besonders heikle Arbeitsmittel kommen im Handgepäck mit. „Meine Bürsten zum Drucken oder der breite Pinsel zum Grundieren zum Beispiel kommen aus England bzw. Japan der 1990er Jahre und sind sehr wertvoll, auch, weil die englischen Händler seit dem Brexit nicht mehr nach Österreich liefern.“ Dass Darabant nicht zwingend eine Druckerpresse mit mehreren Hundert Kilo für ihre Kunst braucht, macht die Dinge logistisch einfacher und schafft mehr Raum für künstlerische Themen.

Zeigen, was dem Wesen entspricht

Japanischer Farbholzschnitt inspiriert europäische Künstler:innen seit langem. Nach der Öffnung Japans lieferte er der Wiener Moderne ebenso wichtige Impulse wie dem Impressionismus, Sezessionismus oder Jugendstil. Der Naturalismus in der japanischen Bildgebung fasziniert Renata Darabant besonders. „Während der Naturalismus im Westen die Dinge so zeigen möchte, wie wir sie sehen, geht es der östlichen Ausprägung um die Darstellung von ´Wesensähnlichkeit´. Wenn ein Weg beschrieben wird, werden nicht Ausgangspunkt und Ziel nebeneinander dargestellt, sondern nur der Weg selbst. Damit wird betont, worum es auf dem Bild geht.“

Der bekannte japanische Künstler Katsushika Hokusai brachte Landschaften, Flora und Fauna und Naturgewalten besonders eindrucksvoll auf den Punkt. Seine „Große Welle von Kanagawa“ ist eines der berühmtesten grafischen Werke der Welt und als Emoji auf unseren Handys allgegenwärtig. Darabant: „Ein japanischer Farbholzschnitt als fixer Bestandteil der Populärkultur. Das kann man von den wenigsten Werken der Kunstgeschichte behaupten.“

Wie ein Hai Bürsten weich macht

Einblicke in das Atelier von Renata Darabant

Tipp:

Im Shop erhältlich

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